Sooo, ich hab euch gar nicht auf den neuesten Stand gebracht! Wir waren Mitte letzter Woche im Universitätsklinikum in Aachen, meine Schwester, mein Bauchbewohner und ich!

Da wir bei allen vorangegangenen Besuchen eigentlich immer nur noch neue „Päckchen“ mitgenommen haben, war ich natürlich entsprechend nervös. Was, wenn sich der Herzfehler – jetzt 6 Wochen später und 6 Wochen „größer“ – noch komplizierter darstellt? Was, wenn noch weitere Diagnosen dazukommen, jetzt wo man mehr erkennen kann?

Die Türsteher

Das Prozedere am „Einlass“ zum UK Aachen hat meine Schwester und mich zum Glück erst einmal abgelenkt. Erst einmal klären, was wir da überhaupt wollen. Begleitung bei Untersuchungen eigentlich nicht erlaubt. Herrje. Aber irgendwie waren wir dann doch beide drin und meine Schwester musste ihren „Plan B“ gar nicht aktivieren.

Das System der Gänge und Flure im Gebäude des UK Aachen…für mich ein Mysterium, schon als wir meine Schwester damals nach der Geburt meiner Nichte und meines Neffen besucht haben.

B3, 5ET, Flur 6, Zimmer 7. Zum Glück kennt sich meine Schwester im UK Aachen aus. Ich wäre mit meiner Nervosität NIE angekommen. Spoiler: ich wäre auch nach der Untersuchung nicht wieder rausgekommen! 🙈

Der Akten-Formulare-Run

Damit ihr nachfühlen könnt, wie sich nach und nach meine Nervosität noch gesteigert hat, nehme ich euch komplett mit durch diese Geschichte. Also: Erster Empfangstresen schickt mich zur Anmeldung zum Sekretariat der Pränatal- und Geburtsmedizin. Da wurde ich dann in einen Warteraum gesteckt, um die ganzen Formulare auszufüllen, die es in einer Klinik halt braucht um mir Rechnungen zu schreiben. Meine Schwester musste auf dem Flur warten. Weil, es sind ja keine Begleitpersonen vorgesehen. Ich hätte meiner Schwester gerne zwischendurch geschrieben, dass es nimmer lange dauert, aber da war kein Netz. Nix. Nada.

Mit meiner neuen Akte in der neuen Hand stand ich dann 12 Minuten später wieder vor der Tür. Mit dem Auftrag 7 Türen weiter zur Anmeldung zu laufen. Hier weitere Zettel zum ausfüllen (Anamnesebögen). Und der Hinweis an meine Schwester, dass sie zur Untersuchung mit reinkommen dürfe. Aber bis dahin, solle sie doch Draußen warten. Also draußen Draußen. OK, kurze Lagebesprechung, mit dem Ergebnis, dass meine Schwester so lange Kreise um B3, 5ET, Flur 6, Zimmer 7 zieht, bis ich aufgerufen werde. Draußen ist ja keine Option, wie soll ich ihr Bescheid geben, so ohne Netz?

Die Anamnesebögen auszufüllen hat sich dann wirklich als schwierig erwiesen, weil ich bei der Anmeldung meinen Mutterpass schon abgegeben hatte…ich hab die Bögen also mit vielen Lücken wieder abgegeben. Und vor Nervosität war leserlich schreiben eh ganz schwierig.

Endlich: der Feinultraschall

Und dann war es endlich soweit. Ab in einen abgedunkelten Raum mit riesigem Fernseher. Der Feinultraschall. Wir sind richtig. Und dann kam die „Schallerin“, super nett, mein Alter, Tochter in meinem Alter und super emphatisch. Puh. Die hatte auch unsere Akte komplett gelesen und wusste, was sie suchen muss.

Nach einem kompletten Scan des Bauchbewohners ging es dann Richtung Herz. Sie so: „Ach, da ist ja schon die Pulmonalklappe!“ Und ich: „Die konnten sie so schnell sehen? Vor 6 Wochen musste man sie noch 25 Minuten lang suchen!“ Und von da an ging es bergauf. Sie hat das ganze Herz geschallt und vermessen.

Die Ärzte-Party

Dann kam relativ schnell der Kardiochirurg dazu, um sich den Fall anzusehen. Das kannte ich ja schon aus Düsseldorf, die Pränataldiagnostikerin erklärt dem Kardiochirurgen was sie gesehen hat, welche Maße und Eigenarten das hat. Und dann entbrennen Diskussionen wie: „Ist das auch wirklich die Pulmonalis und nicht die Aorta mit dem Ductus?“ Denn jede Interpretation dieser Schwarz-Weiß-Bilder ergibt für den Kardiochirurgen einen komplett anderen Herzfehler und damit andere Behandlungsmethoden.

Dann weiterer Besuch, der Professor der Pränatal- und Geburtsmedizin hat sich das Herz des Bauchbewohners auch noch mal angesehen und selbst den Ultraschall gemacht und so die letzten Bedenken des Kardiochirurgen ausgeräumt. Und zur Unterstützung kam dann auch noch der Stellvertretende Leiter der Kinderkardiologie dazu und die Party war komplett.

Die Quintessenz

Ergebnis der beiden Kardio-Spezialisten: Der „DORV“-Herzfehler stellt sich so dar, dass nach der Geburt die Sättigung überwacht werden müsse um zu schauen, ob der Bauchbewohner zusätzliche Unterstützung (durch Medikamente oder kleine OPs) benötigt. Aber dann dürfe er nach Hause. Der Kardiologe hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und meinte, er würde uns 5 Tage nach Geburt vor die Tür setzen. Die Party, die in meinem Kopf abging, könnt ihr euch ja vorstellen!

Die Einschätzung des Kardiochirurgen war dann noch, dass die OP am offenen Herzen mit 4-6 Monaten zu erfolgen habe. Und dass wir gute Chancen hätten, dass es erst im Alter von 17 Jahren (!!!!) zur einer zweiten und wahrscheinlich letzten OP am offenen Herzen kommen müssen. Noch mehr Party. Ich habe zwei Mal nachgefragt, ob wirklich keine OP im Vorschulalter mehr anstehen würde. Ich glaube er hat mich schon für ein bisschen Begriffsstutzig gehalten. 🙈

Hinzu kommt dann aber ja noch „unsere“ Duodenal Stenose, also der Darmverschluss. Die Internisten kommen erst beim nächsten Termin in Aachen dazu. Aber dazu meinte der Herr Professor, dass ich dann wohl mit einem Aufenthalt von mindestens 2 Wochen rechnen müsse. Ich habe diese Aussage für meinen Kopf direkt mal auf 4 Wochen korrigiert, damit ich nicht total ausflippe. Denn, wir hatten immer so ca. 3 Monate Aufenthalt in unseren „Berechnungen“.

Die Trance

Nach 90 Minuten Schwarz-Weiß-Fernsehen und guten Gesprächen mit einem tollen Arzt-Team standen meine Schwester und ich wieder auf dem grünen Teppich. Keine Ahnung WIE wir aus dem Gebäude gekommen sind, dafür hatte ich ja meine Schwester. Ich war wie in Trance.

Und so gaaanz langsam sickerte es durch: Wir haben die Chance, dass wir doch noch ein bisschen „richtiges“ Wochenbett zu Hause haben werden! 💗



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