Da isser. Der Moment wo ich mein Herzkind-Baby das erste Mal auf dem Arm halten darf. Eine kostbare Stunde lang. Es ist Sonntagabend. Die Spätschicht übergibt gerade an die Nachtschicht. Und mittendrin ich mit meinem Transportstuhl, weil ich alleine den Weg von Station zu Station nicht schaffe.

Pflegerin Nadine legt Kabel um, macht Verlängerungen dran. Alles nur, damit das Herzkind bei mir auf den Arm kann. Sie klappt mir einen gemütlichen Stuhl aus, platziert zwei dicke Kissen auf mir und fragt noch mal: „Können sie so eine Stunde sitzen!?“

Und dann legt sie mir mein Baby auf den Arm. Und er passt da genau hin, in meine Armbeuge. Kurz beschwert er sich über die Kälte. Aber dann kuschelt er sich unter seiner Decke an meinen Arm. Als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Er macht die Augen zu und pennt direkt weiter. Völlig unbeeindruckt. Tiefenentspannt.

Medikamente bekommt er gerade keine. Nur ein Hormon, welches seinen Ductus offenhält. Das Hormon wurde ihm in meinem Bauch auch frei Haus geliefert. Und weil er nicht verdauen kann, bekommt er lecker Glukoselösung und noch „Getränke“. Das war’s.

So Tiefenentspannt…ein Anfängerbaby. Ehrlich gesagt, wäre ich mit so einem Anfängerbaby gerade gerne zu Hause auf dem heimischen Sofa. Mitten im Familientrubel. Im gemütlichen Familienbett. Zwischen dem Papa und der großen Schwester.

Aber immerhin haben wir diese kostbare Stunde!

Ein bisschen Spooky sind die Atemaussetzer. Die werden durch genau das eine Medikament, bzw. Hormon ausgelöst, welches er bekommt.

Die Stunde ist rum, meine Kräfte sind ehrlicherweise auch am Ende. Zu krass noch die Nachwirkungen von meinem Ausflug in das HELLP-Syndrom.

Kann ich jetzt einfach gehen!? Mein Baby-Kind einfach bei Pflegerin Jenny von der Nachtschicht lassen!?

Ja. Denn obwohl ich seine Mama bin, kann ich für sein Überleben nicht sorgen. Nur die superliebe Pflegerin mit den ganzen Schläuchen, Infusionen, Perfusoren und Monitoren die an und um unser Herzkind drum herum sind.

Also setze ich mich wieder auf meinen gelben Transportstuhl und lasse mich zurück zu meinem eigenen Zimmer eine Etage tiefer fahren.

Ausruhen, atmen, Pause machen, Kräfte sammeln. Morgen steht die erste Operation an. Der Darm wird gerichtet und neu verdrahtet. Noch – jetzt am Abend vorher – bin ich ruhig und zuversichtlich. Es wird alles gut gehen!



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2 Comments

  1. Nadine 19. Mai 2022 at 19:35 - Reply

    Es wird alles gut. Herzkind hat gekämpft, ist hier und will noch viele weitere Stunden bei euch sein.
    Vielleicht kann deine Hebamme ein Herzfaden Ritual machen, oder du googlest es und visualisierst es. Ihr seid verbunden. Deine Gedanken sind beim Baby. Es spürt dich, genauso wie du den Abdruck und die Hitze spürst die es auf deinem Arm hinterlassen hat.
    Alles Gute euch ❤

    • ClaudiaKamprolf 20. Mai 2022 at 5:06 - Reply

      Ja, irgendein Ritual werden wir schon für uns finden, was zu uns passt! 💪🏻♥️

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