Das Ende der Selbstoptimierung…!?
Ein kleines aber vollgestelltes Krankenzimmer. Babybett, Moitor, Perfusort, Stuhl, großes Bett auf 6 quadratmetern.Der erste Herzkatheter - der lange Tag danach

Bei unserem ersten Krankenhausaufenthalt hatte ich oft Leerlauf. Warten im Elternzimmer, beim Milch-Pumpen, während das Baby schlief. Ich hab alle Beiträge hier so „nebenher“ geschrieben. Das hatte nicht nur den Vorteil, dass diese für euch so authentisch zu lesen sind, sondern auch, dass ich vieles des Erlebten schon mal im Kopf sortieren und „anverarbeiten“ konnte. Beim Herzkatheter wollte ich es genauso machen. Pragmatisch und unverblümt einfach mal die Erlebnisse runterschreiben. Dann noch mal in Ruhe aufs Klo und neben dem schlafenden Baby noch einen Film schauen. Jaaaa, lacht ruhig weiter. 🫣

Dass ich das Erlebte überhaupt noch sortiert bekomme, verdanke ich dem WhatsApp Chat mit meinem Mann und meiner Schwester. Das war das einzige was möglich war und auch sein musste, damit ich nicht platze: kurze Nachrichten an die Menschen „da draußen“. Wenn mich jemand fragen würde, wie lange wir im Krankenhaus waren, würde ich sagen: 3 Tage – Ankunftstag, Kathetertag, Abreisetag. Der Kalender sagt, wir waren 4 Tage da. Fragt mich nicht, wo der 4. Tag herkommt und was ich da gemacht habe. 🤷🏼‍♀️

Komm, lass es uns gemeinsam herausfinden. Ich hab Auszüge aus den WhatsApp Chats abfotografiert!

Der Tag vor dem Herzkatheter – „Check-In“

Der Herzkatheter war geplant. Zum einen sollte der gelegte und klein-geklammerte Shunt geweitet und damit auf Herzkinds aktuelles Gewicht angepasst werden. Denn mit zunehmendem Gewicht haben wir ja auch zunehmend Farbe bekommen. 🥴 Zum anderen nutzen die Chirurgen den Herzkatheter zur OP Planung. Geplant war der Termin für diese Woche, in der ich nun schreibe und mich an den Aufenthalt zu erinnern.

Also. Letzte Woche kam ein Anruf aus Aachen, morgens 10 Uhr. Ob wir uns vorstellen könnten, dass der Katheter schon am darauffolgenden Tag stattfinden könnte. Wenn ja, dann müssten wir bis spätestens 15 Uhr anreisen.

Wer mich kennt der weiß, dass schnelle Entscheidungen nicht gerade zu meinen Schwächen gehören. 😂 Mein Kopf wägte kurz ein stressiges packen gegen eine Woche längeres Warten ab…und sagte zu. Ich bin im Kopf immer schon früh auf alles organisatorisch vorbereitet und ich wusste, dass alles auch kurzfristig organisiert werden konnte.

Dann hab ich netterweise den Mann informiert, der zum Glück genauso entschieden hätte. Die Oma wurde dann auch informiert, dass sie eine Woche früher kommen muss. Drei Stunden später war ich dann auch fast schon auf der Autobahn…mit kurzem Zwischenstopp an der Tankstelle 😡

In Aachen angekommen, erst mal stillen und die Lage checken. Heute passiert bestimmt nix mehr. Also noch ein Zimmer und ein Bett organisieren und dann auf den nächsten Tag warten.

Pustekuchen! Kein Zimmer frei. Koffer ins Schwesternzimmer und ab zur Leitstelle, anmelden. Das Herzkind ist inzwischen sehr ungehalten, denn anstatt schön 2-3 Stunden Mittagspause im gemütlichen Bett, tingeln wir nach Aachen und „checken ein“.

Wir tingeln weiter über den Flur, Herzkind in der Trage. Ich könne ja in den Aufenthaltsraum, sagt einer unserer Lebensretter von damals! Nee, sag ich, ich möchte nicht vergessen werden. 😂🙈 dabei treffen wir auch noch weitere „alte Bekannte“. Ärzte sehen mich von weitem und kennen direkt meinen Namen. Wir waren definitiv zu lange und zu oft hier. 🥴

Der Anästhesist kommt zum Aufklärungsgespräch. Ich stille den aufgedrehten Kleinen dabei, denn er hat noch immer nicht zur Ruhe finden können.

Dann erste Vor-Untersuchungen. Der Ultraschall mit 20 Minuten Dauerbrüllen und anschließend die Lieblingsdisziplin Blutabnahme. Der junge Arzt versucht auch gleich einen Zugang zu legen. Das Kind weint und windet sich, aber mit meinem Finger im Mund geht es noch. Aber der erste Versuch geht daneben. Der Zugang ist zu eng oder verstopft oder oder. Egal, andere Hand, nächster Versuch. Gleiches Ergebnis: aufgelöstes Kind, aber der Zugang ist nicht nutzbar. Wenigstens das Blut konnte abgenommen werden. Der Arzt hat ein Einsehen, der Zugang solle morgen unter Narkose gelegt werden.

Inzwischen ist es 16 Uhr und wir haben endlich ein Zimmer. Ich hab seit 12 Uhr nichts gegessen und getrunken und freue mich, dem Kleinen und mir ein bisschen Ruhe zu gönnen. Schwierig auf 12 Quadratmeter mit zwei Mamas und zwei Babys…aber immerhin bekommt der Kleine mal eine neue Windel. 🙈

17 Uhr. Ich packe das aufgelöste Kind wieder in die Trage und gehe Schokolade kaufen. Ich hab das Gefühl, ich könnte die noch brauchen in den nächsten Tagen.

Wieder auf dem Zimmer, wird das Herzkind an den Monitor gelegt und die echt nette Schwester checkt mit mir, ob die Kabel lang genug sind und ich ihn im großen Bett liegen lassen kann. Zum Glück ja!

Ich leg mich mit dem kleinen aufgelösten Kämpfer aufs Bett und stille ihn in Ruhe. Bis…na klar…wieder jemand was von uns will. Es fehlt noch EKG, messen und wiegen und das Aufklärungsgespräch. 🙈 dem jungen Arzt ist es sichtlich unangenehm, den Kleinen wieder aus seiner eigentlich verdienten Pause zu reißen.

Die Schwester hilft mir, mein Essen zu suchen. Zum Glück hat die Station genug essen in der Küche! Und sie hat noch Aufgaben für uns. Fieber messen und mit steriler Seife baden.

Ich beschließe, dass beides auch noch nach dem ersten Nachtschlaf möglich ist und stille den Kleinen in den Schlaf. Was hervorragend klappt und ich endlich endlich was essen kann nach 7 Stunden Chaos, mitleiden, schwitzen und Stress.

Die Nacht klappt echt prima. Ich liege zwar auf den ganzen Kabeln, aber wenigstens muss ich nicht versuchen das schlafende Kind im kalten Gitterbettchen abzulegen. Und ich bin auch erschöpft genug, dass ich schnell einschlafe.

Der „Endspurt“ beginnt um 04:00 Uhr

Um vier Uhr darf ich das letzte mal stillen. Aber der kleine Herr möchte gar nicht. Also bete ich, dass er die meiste Zeit bis zur Untersuchung um 8 Uhr pennt. Mein Wunsch erfüllt sich nur halb. Ab 5 Uhr muss ich ihn mit meinem Finger im Mund beruhigen, ab 6 Uhr packe ich ihn in die Trage und laufe durchs Krankenhaus…

Ab 7:30 Uhr sind wir wieder auf Station, Fieber messen und OP Kittelchen an. In dem geht er total unter! Gibt’s wohl noch nicht in Größe 56 🤷🏼‍♀️😂

Dann rollen wir – mit meinem Finger in seinem Mund – zur Schleuse, eine Schwester begleitet uns und gibt uns beim Kollegen für den Herzkatheter ab.

Kalt ist es hier. Wir bekommen erst zwei warme Handtücher zum kuscheln und dann Ärger, weil noch kein Zugang liegt. Also nicht wir bekommen den Ärger, aber wir bekommen es mit.

Dann darf das Herzkind umziehen auf den OP Tisch. Auf eine Warmluft-Unterlage. Eigentlich schön kuschelig, aber überzeugt ist das Herzkind nicht. Es weint, trotz angebotenem Finger.

Nun wird die Kabellage umgehängt, vom kleinen Monitor auf die OP-Monitore. Ich versuche mich in dem ungewohnten OP-Saal auf mein Kind zu konzentrieren, was mir leider nur teilweise gelingt. Der Kleine weint und weint.

Der dritte Versuch einen Zugang zu legen misslingt ebenfalls, nun ist mein Baby richtig am Brüllen. Ich denke nicht, dass es der Piks an sich ist, aber die Babys werden schon ganz schön fest fixiert, damit man den Zugang legen kann. Und das macht die Situation insgesamt so bedrohlich. Ich leide mit. 😳

Also Plan B, Sedierung unter der Atemmaske, damit danach in Ruhe ein Zugang gelegt werden kann. Da denke ich noch, dass das bestimmt angenehmer ist als der Zugang. Leider nein.

Die Ärztin muss die Maske mit Gewalt auf das Gesicht drücken und der kleine Kämpfer schreit um sein Leben und versucht sich aus dem Griff zu winden. Ich bin völlig hilflos und halte seine Hand. Mehr kann ich nicht tun.

Nach einigen – für mich zu vielen – Atemzügen entspannt er sich endlich. Die Ärztin informiert mich, dass er schlafe und von mir fällt eine große Spannung ab und ich weine. Ich stehe völlig neben mir. So viele Übergriffe auf den Kleinen nicht verhindern, sondern nur begleiten können, macht total mürbe.

Die Ärztin schiebt mich resolut-emphatisch aus dem OP-Saal. Ob ich den Weg zurück finde. Keine Ahnung denke ich. Aber so eine pragmatische Aufgabe holt mich doch etwas zurück ins hier und jetzt.

Ich finde tatsächlich mein Zimmer und weine noch ein bisschen. Es ist nicht der Eingriff, der mir Sorgen macht, sonder nur das, was der Kleine bewusst erleben und durchstehen muss.

Noch ein paar WhatsApps und dann mach ich das, was ich mir vorgenommen habe: Frühstücken, Duschen, Ausruhen…

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