Es ist Dezember, das Jahresende rückt unaufhaltsam näher und damit mehren sich die Hinweise auf Social Media, wie wichtig es für mich wäre genau JETZT eine Jahresplanung für das kommende Jahr zu machen. Natürlich flankiert mit dem passenden Angebot! Vom Workshop über Workbooks, Jahresplan-Templates und gemeinsamen Meditationen ist alles dabei und flattert mir als Anzeige vor meinen Swipe-Finger.

Und dann kommt er, dieser unterschwellige Druck: “Ich bin doch auch selbstständig! Ist es nicht völlig unprofessionell, ohne Planung weiterzumachen? Kann ich überhaupt was erreichen, ohne Planung?”

In diesem Blogartikel sammle ich mal MEINE Argumente, warum ICH jetzt keine Jahresplanung mache. Vielleicht magst du dir ja eins ausleihen! 😉

Kleiner Spoiler vorab: Keine Panik! Dein nächstes Geschäftsjahr ist nicht direkt abgeschrieben, nur weil du nicht genau JETZT eine Jahresplanung machst!

Argument Nr. 1 – ich habe besseres zu tun!

Kein Monat des Jahres ist so weit oben im Mental Load Ranking wie der Dezember.

Während man es eigentlich nur der Familie und sich weihnachtsglitzerig machen möchte, steht die Planung sämtlicher Geschenke an, Weihnachtsmenüs wollen geplant werden und die Logistik für die Feiertage klärt sich auch nicht von selbst.

Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt besuchen, Wunschzettel-Magie versprühen, endlich mal wieder Weihnachtskarten schreiben, Aschenbrödel gucken…

Für mich passt eine Jahresplanung für meine Selbstständigkeit da einfach nicht rein. Weder von meiner Gedankenwelt her noch vom Zeitplan.

Ich mache im Dezember keine Jahresplanung, ich habe besseres zu tun!

Mein Leben besteht im Dezember aus gaaaanz wenig Business. Und deswegen bin ich gar nicht in einer Jahresplanungsstimmung. Dann kann so eine Planung auch nix werden.

Argument Nr. 2 – ich bin eine Solo-Selbstständige und leite kein komplexes Unternehmen!

Was soll ich mit so einer Jahresplanung? Schauen wir uns doch mal die gängigen Argumente an.

Einen konkreten Weg zu meiner Vision beschreiben kann ich jederzeit, z.B. mit dem Backlog auf meinem Board. Warum du als selbstständige Mama auf ein Board setzen solltest, habe ich ja schon einmal beschrieben. Auf meinem Board befinden sich meine groben Ideen, wie ich meine Vision verwirklichen kann. Und diese werden immer wieder erweitert, überarbeitet und neu priorisiert. Klar könnte ich das jetzt einmal niederschreiben…aber ich weiß ja jetzt schon, dass sich das im stetigen Wandel befindet und veraltet ist, bevor Ostern ist!

Ein Argument für eine Jahresplanung ist, sich Gedanken um sein Unternehmen zu machen. Am Unternehmen zu arbeiten und nicht im Unternehmen zu arbeiten. Das soll vor einem verrennen im Hamsterrad helfen. Einen Schritt zurücknehmen und zu schauen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Läuft. Das mache ich regelmäßig, zum Beispiel im Rahmen meiner Retrospektiven, oder wenn ich mein Board aufräume. Ich frage mich dann oft, ob ich noch auf dem richtigen und auch effektivsten Weg bin, meine Ziele zu erreichen. Und das jeweils mit den dann bekannten Rahmenbedingungen. Denn eins ist klar, das Leben von Mamas ändert sich ständig, und damit auch die Rahmenbedingungen!

Eine Jahresplanung ist ein Mittel um mit Mitarbeitenden die Ziele zu besprechen und gemeinsam effektiver zu arbeiten. Jaaaa, ich habe keine Mitarbeitenden. Also zöge dieses Argument nicht. Hätte ich allerdings Mitarbeiter, dann würde ich mit ihnen zusammen mein Board füllen, ihre Ideen mit aufnehmen und so mit ihnen effektiv zusammenarbeiten. Nur einmal im Jahr mit ihnen über die Ziele zu sprechen wäre mir persönlich zu wenig!

Das für mich stimmigste Argument ist, dass man sich für so eine Jahresplanung zurückzieht und danach oft mit neuen Energie die nächsten Schritte angehen kann. Diese neue Energie spüre ich auch, wenn ich mein Board neu ordne und priorisiere. Ich kann mir vorstellen, dass diese Energie umso größer ist, desto tiefer man in dieses Jahresplanungs-Ding eintaucht. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass die Energie auch schneller verraucht, wenn man sich nur einmal im Jahr Zeit nimmt, am Unternehmen zu arbeiten. Ich wiederhole mich gerne, ich lobe mir mein Board. Ich kann immer wieder diese Energie herstellen!

Argument Nr. 3 – ich brauche kein Kalenderjahr!

Mal ehrlich. Wir wissen doch schon alle, dass das mit den guten Vorsätzen und Plänen zum Jahresanfang nix is. Warum sollte das mit Business-Jahresplänen was anderes sein? Jepp, is nix anderes.

Zudem ist es meinem Business völlig egal, dass das Jahr 12 Monate hat und im Januar beginnt. Und meiner Vision und meinen Zielen auch!

Mein Leben ist getrieben von kürzeren oder längeren Phasen. Hier eine mehrwöchige Reha, dann der Start KiTa-Eingewöhnung ist abhängig von einer noch zu beantragenden I-Kraft, der Mittagsschlaf des Kurzen wird immer kürzer, mal die Kinder krank, mal die KiTa zu. Solange meine Ressourcen aus “nur” mir bestehen, kann ich keine langfristige Planung anstellen. Klar kann ich Wünsche haben, aber Pläne?

Also Plane ich für diese Phasen! Mal kann ich mehr Arbeitsstunden rechnen, mal sind keine da.

Fliege ich deswegen blind?

Nein, ich fliege nicht blind. Ich lebe bzw. arbeite nicht einfach so vor mich hin.

Zum einen kenne ich meine Fixkosten. Schließlich kann ich nur Gewinn machen, wenn ich mehr Umsatz mache als Kosten da sind. Meine Fixkosten sind neben den ganzen Tools für die ich zahlen muss auch die Steuer, die Rücklagen für die Rente und Versicherungen auf der Liste. Diese Liste ist bei mir immer relativ aktuell. Ändert sich ein Betrag, ändere ich die Datei in der ich meine Fixkosten aufführe. Dazu brauche ich keine Jahresplanung im Dezember.

Und zum anderen kenne ich meine Produkte und deren Preise. Denn schließlich muss ich ja was verkaufen können um Umsatz zu erwirtschaften. Und so kann ich auch theoretisch ausrechnen, welches Produkt ich wie oft verkaufen müsste, um meine Kosten zu decken.

Was ich aber nicht kann, ist die Verkäufe zu planen! Denn dazu ist wie oben schon beschrieben mein Leben aktuell zu wenig planbar.

Mein Fazit über die Jahresplanung als selbstständige Mama

Liebe Leute, ich habe als selbstständige Mama eines am allerwenigsten: ZEIT!

Ich kann es mir nicht leisten, ein ganzes Jahr einer Jahresplanung hinterherzulaufen, die zu Ostern vielleicht gar nicht mehr zu mir, meinem Business oder meinem Leben passt! Das wäre komplett verlorene Liebesmüh!

Ich kann es mir nicht leisten, mich mehrere Stunden (oder sogar Tage?) im Dezember oder Januar zurückzuziehen um mir Gedanken über mein Business zu machen. Gedanken über mein Business mache ich mir ständig, aber immer nur in Häppchen: bei der Einschlafbegleitung, beim Anschaukeln, beim Lego-Bauen. Also immer dann, wenn mein Hirn nicht für anderes genutzt wird. Ich nutze meine Zeit anders!

Ich kann es mir aktuell als selbstständige Mama mit kleinen Kindern schlichtweg nicht leisten, mein Business mit einer Jahresplanung zu steuern!

Und sollte sich dies ändern, dann lest ihr davon in ein paar Jahren in einem neuen Artikel. ;-)


Im Club der Prozessinnen hast du Zugang zu einem stetig wachsenden Pool von Methoden und Wissen. Im Club teilen wir nicht nur Erfahrungen, sondern entwickeln gemeinsam Strategien, um deine Prozesse zu optimieren. Durch Workbooks, Workshops, Online-Kurse und monatliche Treffen zur Retrospektive fördern wir einander auf dem Weg zum nachhaltigen Erfolg.

Beim Jonglieren von Familie, Kind und Business fallen dir immer mal wieder ein paar Bälle auf die Füße?

Kenne ich! Passiert!

Lerne von und mit mir dein Chaos zu beherrschen und bringe dein Business auf ein ganz neues Level!

Claudia Kamprolf
ProzessQueen

One Comment

  1. Wiebke 31. Dezember 2023 at 12:18 - Reply

    Hallo Claudia,
    dieses Jahr mache ich auch keine ausführliche Jahresplanung und hab dank deiner super Argumente auch kein schlechtes Gewissen deswegen. Meine Ideen und Ziele habe ich ja trotzdem, nur keine exakt zeitliche Planung mehr, wann ich was umsetze.
    Ich freue mich auf das Jahr im Prozessinnen-Club und bin gespannt, was da so kommt!
    Viele Grüße
    Wiebke

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